01 - Der Bahnhof Vorsfelde 01
Durch die Eröffnung der Eisenbahnstrecke Hannover – Oebisfelde – Stendal – Berlin am 01.11.1871, wurde auch Vorsfelde Bahnstation. Allerdings lag dieser Bahnhof ca. 1,5 km südlich vom Ortskern entfernt. Lediglich Spargelfelder waren in unmittelbarer Nachbarschaft zu finden. Im Laufe der folgenden Jahre entwickelte sich eine gewisse Bautätigkeit rund um den Bahnhof. Kleinere Unternehmen begannen sich dort anzusiedeln. Unter anderem waren dies eine Stärkefabrik (1883-1918), welche in die Braunschweigische Konservenfabrik Vorsfelde aufging (1918-1964), die Molkerei (1896-1995) sowie die Flocken- und Stärkefabrik (1909-1955). In den 1950er und 1960er Jahren wurde das Gebiet immer mehr erschlossen. Die Vorsfelder Südstadt war geboren!
Doch zurück zum Thema. Die Strecke Hannover – Berlin entwickelte sich zu einer der bedeutendsten West – Ost Magistralen (Hauptverkehrslinie). Nach Kriegsende (1945) wurde die Strecke zwischen Vorsfelde und Oebisfelde durch die neu entstandene „Zonengrenze“ zerschnitten. Jedoch war die Strecke ab dem 30.08.1945 wieder befahrbar und gehörte somit zu einer der ersten Strecken, auf denen Güterverkehr zwischen der „Sowjetzone“ und den „Westzonen“ betrieben wurde. Am 07.10.1945 lief der Übergangsverkehr (Austausch und Rückführung von rollendem Material) mit sieben Zügen in jeder Richtung wieder an. Der zivile Güterverkehr mit der „Sowjetzone“ wurde im Juni 1946 wiederbelebt. Dieser Zustand währte bis zum 24.06.1948. Im Zusammenhang mit der Berliner Blockade wurde der Grenzübergang ab diesem Datum gesperrt. Am 10.09.1948 wurden vier Postzüge erstmals wieder über Vorsfelde geleitet. Auch danach konnten während der Berliner Blockade nur in geringem Umfang Züge über diesen Übergang verkehren. Nach Aufhebung der Berliner Blockade lief der Verkehr am 12.05.1949 wieder im früheren Umfang an. Vorsfelde wurde zu einem der wichtigsten Grenzbahnhöfe im Ost – West Güterverkehr. Lediglich für den grenzüberschreitenden Personenverkehr (Interzonenverkehr), welcher am 15.07.1954 wiederaufgenommen wurde, lag die Zuständigkeit beim Bahnhof Wolfsburg. Im regionalen Personenverkehr liefen nach der Grenzziehung nur wenige Züge von Braunschweig und Hannover über Wolfsburg hinaus bis Vorsfelde. Dieses änderte sich erst am 02.10.1955 mit Eröffnung der „Velpker Schleife“. Nun konnten auch Personenzüge von Vorsfelde aus über Velpke – Schandelah nach Braunschweig geleitet werden, was bis dato nur über Wolfsburg – Lehre möglich war. Durch den Bau der „Velpker Schleife“ entstand eine Art Ringbahn: Braunschweig – Lehre – Wolfsburg – Vorsfelde – Velpke – Schandelah – Braunschweig. Somit war Vorsfelde auch schienenmäßig mit dem Helmstedter Nordkreis verbunden. Folglich stieg auch die Zahl der ankommenden und abfahrenden Personenzüge im Vorsfelder Bahnhof erheblich an. Was in den 1950er und 1960er Jahren noch Sinn machte, wurde am 28.09.1975 durch die immer stärkere Zunahme des Individualverkehrs wieder überflüssig. Ab diesem Datum nämlich, wird der Streckenabschnitt Vorsfelde – Velpke – Schandelah für den Personenverkehr stillgelegt. Das Angebot der Personenzüge von und nach Vorsfelde, wird von Seiten der Bundesbahn drastisch gekürzt. Diese Aktion blieb nicht ohne Folgen! Am 27.05.1978 verließ der N 5244 um 19:38 Uhr als letzter planmäßiger Personenzug den Vorsfelder Bahnhof in Richtung Hannover.
Im Güterverkehr blieb Vorsfelde aber unangefochten die Nummer 1 der Grenzbahnhöfe in Richtung Osten. Mit dem Mauerfall im Okt.1989 ging auch diese Ära zu Ende. Der Vorsfelder Bahnhof hatte ausgedient, und bereitete sich auf seinen Ruhestand vor. Bereits am 01.10.1989 wurde der Bahnhof der Dienststelle Wolfsburg zugeordnet. Am 01.06.1991 wurde der Bahnhof Vorsfelde endgültig geschlossen.
Text: Werner Düring

